Market-Maker, ECN, STP und DMA im Überblick
Die vier Ausführungsmodelle unterscheiden sich vor allem darin, wer die Gegenpartei eines Trades ist und wie die Kosten strukturiert sind.
| Modell | Gegenpartei | Kostenstruktur | Interessenkonflikt |
|---|---|---|---|
| Market-Maker | Der Broker selbst | Fixer oder variabler Spread ohne separate Kommission | Strukturell vorhanden, der Broker verdient bei Kundenverlusten |
| STP | Liquiditätsanbieter, vom Broker ausgewählt | Spread mit eingepreistem Aufschlag, meist ohne Kommission | Geringer, aber Aufschlag bleibt intransparent |
| ECN | Mehrere Marktteilnehmer über ein Matching-Netzwerk | Spread nahe null zuzüglich fester Kommission pro Lot | Entfällt weitgehend |
| Direct Market Access | Bank oder Börse direkt | Variabler Spread, oft ohne Zwischenaufschlag | Entfällt, meist institutionellen Kunden vorbehalten |
Warum entsteht bei Market-Maker-Brokern ein Interessenkonflikt?
Ein Market-Maker-Broker verdient direkt, wenn ein Kunde Verluste erleidet, da der Broker selbst die Gegenposition zum Trade hält.
Dieser Mechanismus schafft einen strukturellen Anreiz gegen das Interesse des Kunden, auch wenn er keine automatische Unseriosität bedeutet. Regulierte Market-Maker müssen ihre Rolle als Gegenpartei offenlegen und bleiben trotzdem an Best-Execution-Pflichten gebunden, etwa nach den britischen FCA-Regeln COBS 11.
Was ist ein STP-Broker?
Ein STP-Broker leitet Kundenorders elektronisch an eine begrenzte Auswahl von Liquiditätsanbietern weiter, ohne manuellen Eingriff eines Händlers. Anders als ein reiner ECN-Broker bündelt ein STP-Broker Kurse aus wenigen ausgewählten Quellen und wählt oder mischt den besten Preis selbst aus, statt den Kunden einem vollen Orderbuch auszusetzen. Die Marge entsteht meist über einen Aufschlag auf den Rohspread statt über eine sichtbare Kommission.
Was ist Direct Market Access?
Direct Market Access sendet die Kundenorder direkt in das Orderbuch einer Bank oder Börse, ohne eine zwischengeschaltete Matching-Ebene wie bei ECN. Dieses Modell ist im Retail-Devisenhandel selten und meist institutionellen, professionellen oder besonders umsatzstarken Kunden vorbehalten, da die meisten als ECN vermarkteten Retail-Konten technisch eine ECN/STP-Mischform sind statt reinem DMA.
Wie erkenne ich, welches Modell mein Broker verwendet?
Kontobezeichnungen wie Raw, ECN, Pro oder Zero deuten meist auf ein kommissionsbasiertes Modell mit nahezu null Spread hin.
Kontobezeichnungen wie Standard, Classic oder Market deuten meist auf ein Spread-only-Modell mit Market-Maker- oder STP-Charakter hin.
Formulierungen wie "wir handeln als Gegenpartei" in der Ausführungsrichtlinie weisen auf ein Market-Maker-Modell hin.
Eine separat ausgewiesene Kommission pro Lot neben einem sehr niedrigen Spread weist auf ECN oder STP mit Kommission hin.
Welche MT5-Broker arbeiten nach welchem Modell?
Die folgende Einordnung basiert auf öffentlich vermarkteten Kontobezeichnungen, nicht auf einer geprüften Rechtsklassifikation jedes Brokers.
| Broker | Vermarktetes Modell | Hinweis |
|---|---|---|
| Pepperstone | ECN im Razor-Konto, STP-ähnlich im Standard-Konto | Beide Kontotypen parallel verfügbar |
| Tickmill | Classic eher Market-Maker-nah, Pro/Raw als ECN vermarktet | Tickmill bezeichnet sein eigenes Modell teils selbst als "Hybrid" |
| Fusion Markets | ECN/STP ohne Dealing Desk im Zero-Konto | Klassisches Konto eher Spread-only |
| ActivTrades | STP beziehungsweise Hybrid, laut Drittanbieter-Quellen | Vor Nutzung direkt bei ActivTrades verifizieren |
| FxPro | Vermarktet sich selbst als No-Dealing-Desk/STP | Vor Nutzung direkt bei FxPro verifizieren |
| GBE brokers | ECN und STP je nach Kontotyp | Vor Nutzung direkt bei GBE brokers verifizieren |
| FXOpen | ECN-Konto mit Kommission | Vor Nutzung direkt bei FXOpen verifizieren |
| Libertex | Laut Drittanbieter-Quellen überwiegend Market-Maker-Modell | Vor Nutzung direkt bei Libertex verifizieren |
Sind Market-Maker-Broker unseriös oder illegal?
FCA COBS 11 geprüftNein, das Market-Maker-Modell ist ein legitimes, reguliertes Geschäftsmodell und keine automatische Unseriosität. Aufsichtsbehörden wie die FCA verlangen jedoch eine klare Offenlegung der Gegenparteirolle und binden Market-Maker weiterhin an Best-Execution-Pflichten, weshalb ein Market-Maker-Broker mit gültiger Lizenz und transparenter Offenlegung nicht automatisch schlechter reguliert ist als ein ECN-Broker.
Was kostet der Handel bei den unterschiedlichen Modellen?
Bei einem beispielhaften Interbank-Spread von 0,4 Pips auf EUR/USD verlangt ein ECN-Broker häufig eine zusätzliche Kommission von rund 4 US-Dollar pro 100.000 Einheiten, während ein STP-Broker denselben Rohspread auf etwa 1,4 Pips aufschlägt und daraus seine Marge ohne separate Kommission erzielt. Direct Market Access ist Privatanlegern kaum zugänglich, da es überwiegend institutionellen oder besonders umsatzstarken Kunden vorbehalten bleibt. Konkrete, aktuelle Spreads und Kommissionen der einzelnen Broker finden Sie im MetaTrader 5 Broker Vergleich.
Fazit
Market-Maker-, STP-, ECN- und DMA-Broker unterscheiden sich vor allem darin, wer die Gegenpartei des Trades stellt und wie transparent die Kosten ausgewiesen werden. Für aktives Scalping und Daytrading eignen sich ECN- oder DMA-nahe Modelle wegen der engeren Rohspreads meist besser als klassische Market-Maker-Konten.
FAQs
Was ist der Hauptunterschied zwischen Market-Maker und ECN?
Ein Market-Maker-Broker ist selbst Gegenpartei des Trades und setzt eigene Kurse, ein ECN-Broker leitet Orders an ein Netzwerk aus mehreren Marktteilnehmern weiter und berechnet dafür meist eine Kommission.
Ist ein Market-Maker-Broker automatisch unseriös?
Nein, das Modell ist legal und reguliert, solange der Broker seine Rolle als Gegenpartei offenlegt und Best-Execution-Pflichten einhält.
Was ist Direct Market Access und wer nutzt es?
Direct Market Access sendet Orders direkt in das Orderbuch einer Bank oder Börse. Es ist im Retail-Bereich selten und meist institutionellen oder umsatzstarken Kunden vorbehalten.
Wie erkenne ich das Ausführungsmodell meines Brokers?
Kontobezeichnungen wie Raw oder ECN deuten auf ein kommissionsbasiertes Modell hin, Bezeichnungen wie Standard oder Classic eher auf Market-Maker oder STP mit Spread-Aufschlag.